Ich bin ja nun schon seit einiger Zeit an der
Zivilflugfahrt interessiert und da kommt schon der Wunsch auf, einmal einen
Flughafen hinter den Kulissen zu erleben. Ich habe ihn ja schon oft so
erlebt, wie ihn jeder erleben kann. Man kommt an, geht in einen der
Terminals und danach begibt man sich halt meist auf die Aussichtsterasse
um ein paar Fotos für seine Sammlung zu schießen. Danach fährt
man wieder nach Hause, doch man weiß nie, was alles dahintersteckt,
um so einen Flughafen zu leiten. So habe ich mich vor gut einem Jahr dazu
entschlossen, endlich mal die geheimen Ecken des Flughafens kennenzulernen,
die man als normaler Passagier oder Schaulustiger nicht kennenlernen kann.
Ich steckte also voller Erwartung, in eine interessante Abteilung zu kommen.
Ich wußte ja nicht, was mich dort nun konkret erwartet. Doch ich
hatte das große Glück, in der Auskunftszentrale und in der Vorfeldbrücke
zu landen. Es warteten drei großartige Wochen auf mich, die sehr
viel Spaß gemacht haben. Ich war zwischen netten Leuten gelandet
und war nicht der einzige Praktikant in der Abteilung. Wir waren zwei Praktikanten
und wir haben uns gut verstanden. Die Leute, ich nenne sie einfach meine
Kollegen, haben uns sehr nett empfangen und wir haben uns willkommen gefühlt.
Ich muß ganz ehrlich sagen, ich habe schon manchmal vergessen nur
ein Praktikant zu sein. Nach nur zwei Tagen hat man uns selbständig
Telefonauskünfte machen lassen. Wir durften Ausrufe machen und in
der Vorfeldbrücke konnten wir auch kräftig mithelfen. Diese drei
Wochen waren zwar sehr anstrengend, doch sie haben jeden Tag aufs Neue
Spaß gemacht.
Der Flughafen Hamburg wird als Flughafen Hamburg
GmbH bezeichnet. Er ist ein Dienstleistungsunternehmen. Eine Zugehörigkeit
zu einem Konzern besteht nicht, da er zum öffentlichen Dienst (Witschaftsbehörde)
gehört. Die Zusammenarbeit mit ausländischen Firmen besteht insofern,
daß der Flughafen Hamburg mit ausländischen Fluggesellschaften
zusammenarbeitet. Es wurden im Jahr 1997 38 Millionen Mark Umsatz gemacht.
Über sechstausend Menschen arbeiten heute schon alleine bei der Flughafen
Hamburg GmbH. Im Jahr 1997 wurden 232 Neueinstellungen vorgenommen. Zukunftsplan
ist der Ausbau des Flughafens, d.h. eine gewaltige Expansion ist in Planung
und soll in zehn Jahren abgeschlossen sein. Der Flughafen Hamburg besteht
aus zahlreichen Gewerkschaften, auch außerhalb der Flughafen Hamburg
GmbH. Die Kernaufgaben des Betriebes sind, wie schon beschrieben, Dienst-
und Serviceleistungen.
Es ist Donnerstag der 08.10.1998, ein verregneter,
ungemütlicher Tag. Es ist mein vorletzter Tag meines Betriebspraktikums
auf dem Flughafen Hamburg. Endlich hat es Herr Krüger, mein derzeitiger
Chef, es geschafft die Vorfeldausweise für uns zu kriegen. Wir werden
also nach unten in den Sicherheitsbereich geführt, wo schon ein sogenannter
``Follow Me´´-Wagen auf uns wartet. Wir werden nett von dem
Fahrer begrüßt und eine der schönsten Autofahrten in meinem
Leben beginnt. Es sind noch ungefähr eineinhalb Stunden bis zur Rush-hour,
wir haben also noch ein bißchen Zeit, um die Start- und Landebahnen
zu befahren.
Es ist schon ein phantastischer Blick am Anfang
jener, fast viertausend Meter langen Bahnen zu stehen und man das Ende
nur erahnen kann. Hier also beginnt für jedes Flugzeug der Flug in
die große, weite Welt. Die Bahnbeleuchtung leuchtet heute ziemlich
stark, da es heute einigermaßen neblig ist. Wir fragen den Tower
nach der Erlaubnis die Bahn entlang zu fahren. Noch eine Minute und die
Vierkilometerfahrt kann beginnen. Der Wagen beschleunigt und braust die
Bahn hinauf. Man hat schon ein bißchen das Gefühl im Flugzeug
zu sitzen, nur das Abheben fehlt. Während wir also fahren, hat man
einen phantastischen Blick auf das noch verhältnismäßig
lehre Vorfeld. Uns wird alles bis ins Detail erklärt und ich folge
mit voller Interesse den Worten des Fachmannes hinter dem Steuer. Kaum
von der Startbahn runter und auf dem Taxiway zurück zum Vorfeld, folgt
der nächste Leckerbissen eines jeden Zivilflugfahrtfanatiker, wie
mich. Wir machen uns nun auf den Weg zur Lufthansawerft, da auf dem Rollfeld
immer noch nicht viel los ist. Ich frage, ob wir nicht mal zur Boeing 747-400
der Lufthansa fahren könnten, die sich bis zum Flügelansatz im
Werfthangar befindet. Kaum angekommen, offenbart sich ein Bild des Trauers.
Die doch noch recht moderne 747-400 sieht aus wie eine veraltete Maschine,
die schon seit fünfunddreißig Jahren nicht mehr neu bemalt wurde.
Der Glanz ist weg. Die Technik möge ja noch einwandfrei funktionieren
und der Kabinenkomfort immer noch derselbe sein, wie vor gut acht Jahren,
als sie gerade mal hundert Starts und Landungen hinter sich hatte, doch
am Lack sah man dem Flugzeug deutlich die Strapazen der vergangenen Dienstjahre
an. Doch in ungefähr vier Wochen wird sie sich wieder neu angestrichen
und blitzblank auf den größten Airports der Welt präsentieren
können. Wir fahren jetzt an den riesigen Werfthallen weiter, vorbei
an einer uralten Boeing 707 der Lufthansa, die schon vor zwanzig Jahren
ausgemustert wurde, doch noch immer die Herzen eines jeden Fans höher
schlagen läßt. Sie ist zwar schon längst nicht mehr flugtauglich,
doch sie dient als Ausstellungsstück, welches an die längst vergangenen
Tage der Zivilluftfahrt erinnern soll. Sie kann mit Stolz von sich behaupten,
einst ein Meilenstein des Flugzeugbaus gewesen zu sein. Von diesen Gedanken
gefangen, fahren wir zurück zum Vorfeld, welches sich langsam füllt.
Trotzdem haben wir noch ein bißchen Zeit, um uns in der kleinen Augsburg
Airways Werfthalle umzuschauen, in der auch schon mal über Nacht ein
Airbus A310 der Hapag Lloyd oder eine Boeing 757 der LTU durchgecheckt
wird. Doch dann soll der Tag auf dem Vorfeld erst richtig beginnen. Langsam
wird es sehr voll auf dem Vorfeld. Es kommt eine Maschine nach der anderen.
Von der kleinen Dornier Do228 der Helgoland Airlines, bis zum großen
Airbus A300-600 der Lufthansa sind fast alle Größenordnungen
vertreten. Es ist echt der Wahnsinn zwischen den ganzen Flugzeugen zu fahren,
alles so hautnah mitzuerleben, so nah, daß man die einzelnen Nieten
an den verschiedenen Typen zählen kann. Ich beneide jeden, der das
große Glück hat, heute vormittag fliegen zu können. Ich
habe die ganze Zeit das Verlangen, aus dem Wagen rauszuspringen und in
eines der schönen, zahlreichen Flugzeuge zu springen. Während
wir also dort so längs fahren und vom Vorfeldlotsen Anweisungen über
Funk kriegen, welches Flugzeug einzuwinken ist, unterhalte ich mich angeregt
mit dem Fahrer über die Flugzeuge. Wir diskutieren und kommen doch
immer auf einen Nenner, weil wir eine ziemlich gleiche Meinung über
Flugzeuge haben.
Es ist schon ein tolles und manchmal auch angsterregendes
Gefühl, wenn wir eine Maschine auf die Parkposition weisen und sie
dann eingewunken wird. Die Maschine kommt immer näher und macht einen
ziemlichen Lärm. Man sitzt im Auto und es kommt immer näher,
es wird größer und größer, es will gar nicht mehr
aufhören größer zu werden. Es ist immer wieder ein unbeschreibliches
Gefühl dies zu erleben. Inzwischen sind schon alle Fingerbrückenpositionen
besetzt und man denkt nun nicht mehr daran, daß Hamburg ein verhältnismäßig
kleiner Flughafen ist. Mittlerweile stehen hier schon an die vierzig Flugzeuge
und werden abgefertigt. Immer mehr Busse brausen zu den Flugzeugen, die
auf dem Vorfeld stehen. Alle stehen unter hohem Druck alles in möglichst
kurzer Zeit startklar zu machen. Im Moment kommt jede zweite Minute ein
Flugzeug und alle vier Minuten startet eins. Wir eilen jetzt von einem
Flugzeug zum nächsten, um sie einzuweisen. Es ist nicht immer um diese
Jahreszeit so viel los, auch nicht wie in der jetzigen Rush-hour. Leider
endet jetzt auch schon unsere Fahrt, aber doch zu einem günstigen
Zeitpunkt, da schon die meisten Flugzeuge eingeflogen sind und viele in
der nächsten Stunde sich wieder auf den Weg zu ihrem Zielflughafen
machen werden. Doch eines ist sicher, es ist echt ein unbeschreiblich schönes
Erlebnis gewesen, alles mal so hautnah zu erleben und ich werde es nie
vergessen.
Ein typischer Arbeitstag:
In der Auskunftzentrale war ich die meiste Zeit
meines Praktikums beschäftigt. Meistens mußte ich Telefonauskünfte
geben, da dies die interessanteste Tätigkeit in der Auskunftzentrale
war. Nach einer kleinen Einführung konnte ich die Telefonate alleine
tätigen. Eine kleine Auflockerung stellten die Ausrufe und die Bording-on/Bording-off
Bearbeitungen dar. Ich hatte in der Auskunftzentrale viel Spaß, denn
es ging immer sehr locker und lustig zu. Immer, wenn ich morgens anfing,
ging ich mit sehr viel Freude an die Arbeit, auch wenn die Tage alle miteinander
gleich abliefen. Man hat schon sehr viele lustige Gespräche erleben
können, wenn man die Telefonauskünfte gab (siehe Punkt 5). Aufregend
waren auch die Bombenalarme, die fast jeden zweiten Tag stattfanden. Sie
wurden meistens durch einen verlassenen Koffer ausgelöst. Dann war
in der gesamten Abteilung Aufregung pur. Ich stand immer dazwischen und
wußte nicht, was ich tun sollte. Doch es ist zum Glück nie etwas
ernstes passiert. Meistens verliefen die Arbeitstage sehr ruhig ab und
ich fühlte mich dort echt sehr wohl.
Tätigkeiten während meines Praktikums
im Überblick:
Meine Tätigkeitsbereiche waren Telefonauskünfte
und Ausrufe zu tätigen. Manchmal habe ich auch Bording-on/Bording-off
bearbeitet. Telefonauskünfte zu geben war meine Hauptbeschäftigung.
Ich mußte Auskünfte über Flugverspätungen und über
Ankunft- und Abflugzeiten geben. Hatten die Anrufer speziellere Fragen,
mußte ich sie zu den jeweiligen Betrieben durchstellen. Vom Ausrufplatz
aus werden verspätete Fluggäste aufgefordert sich umgehend zum
Gate zu begeben, oder es werden Flugverspätungen bekanntgegeben. Die
Informationen bekamen wir auf einem Bildschirm angezeigt oder wir wurden
per Telefon benachrichtigt. Für mich waren die Bording-on- und Bording-off-
Informationen zu bearbeiten die langweiligste Tätigkeit während
meines Praktikums. Es wurde auf einem Bildschirm am Ausrufplatz angezeigt,
ob ein Flugzeug bereit ist, Passagiere aufzunehmen (Bording-on), und wenn
eine Maschine startklar ist (Bording-off). Ich mußte diese Informationen
in einen Computer eingeben. Wenn ich zum Beispiel Bording-on eingegeben
habe, leuchtet eine Lampe neben dem bestimmten Flug auf den großen
Anzeigetafeln im Terminal 1, 3 und 4 und auf allen Flugplänen auf
dem Flughafen auf. Die Passagiere wissen dann, daß ihre Maschine
bereit zum Einsteigen ist. Habe ich Bording-off eingegeben, wird
auf allen Bildschirmen und auf den Anzeigetafeln angezeigt, daß der
Flug bereits vollständig abgefertigt ist, d.h. es können jetzt
keine Passagiere mehr aufgenommen werden, da das Flugzeug zu diesem Zeitpunkt
meistens schon auf dem Weg zu seiner Startbahn ist. Während meiner
Tätigkeiten hatte ich eine hohe Verantwortung zu tragen. Ich wollte
und sollte mir nicht unbedingt Fehler einhandeln. Gruppenarbeit war bei
meiner Tätigkeit nicht möglich. Meine Arbeitszeit war von 8 bis
14 Uhr, mit einer einstündigen Mittagspause. Physische und psychische
Anforderungen bestanden nicht, da meine Tätigkeiten sehr angenehm
und leicht waren. Man muß Computer unbedingt bedienen können,
da auch in der Auskunftzentrale alles computerisiert ist.
Ausbildung:
Ausbildungsvoraussetzung ist mindestens ein Hauptschulabschluß,
aber der Realschulabschluß wird auch hier bevorzugt. Es ist kein
Lehrberuf, daher gibt es auch keine Ausbildung. Es gibt lediglich eine
dreimonatige Einführung. Man muß außerdem über Englischkenntnisse
verfügen.
Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten:
Es gibt keine innerbetriebliche oder ausserbetriebliche
Weiterbildungswege, ebenso keine Zusatzausbildung. Die Möglichkeit
zur Teilzeitarbeit ist möglich. Es gibt allerdings keine Flexibilität
in der Arbeitszeit, da man im Schichtdienst tätig ist.
Ein typischer Arbeitstag:
Meistens ging ich in die Vorfeldbrücke,
wenn ich in der Auskunftzentrale nichts zu tun hatte oder wenn in der Vorfeldbrücke
gerade eine Arbeitskraft benötigt wurde. Ich war nur an zwei Tagen
den ganzen Arbeitstag dort beschäftigt. Meine Tätigkeit war es,
die Kontrollstreifen mit den jeweiligen Parkpositionen der Flugzeuge zu
versehen (nähere Beschreibung der Tätigkeit im nächsten
Punkt). Es gab natürlich Stunden, in denen kam ein Streifen nach dem
Anderen rein. Dann durfte man auch keine Sekunde verlieren, um seine Arbeit
zu erledigen. Man durfte sich auch keine Fehler erlauben, da die Richtigkeit
meiner Arbeit für den Vorfeldlotsen sehr wichtig war. Ich mußte
und wollte meine Arbeit selbständig erledigen. Wenn aber mal Ruhe
war, genoß ich den wunderschönen Blick über den ganzen
Flughafen oder ich unterhielt mich mit meinen Kollegen. Oft fachsimpelten
wir über Flugzeuge oder unterhielten uns über belanglose Sachen.
Alle waren sehr nett zu mir.
Tätigkeiten während meines Praktikums
im Überblick:
Meine Tätigkeit in der Vorfeldbrücke
war leider nicht so sehr aufregend, wie die in der Auskunftszentrale. Mein
Arbeitstag gestaltete sich mit dem Eintragen der Parkpositionen der Flugzeuge
auf den Kontrollstreifen. Die Kontrollstreifen (siehe Zettel ``Kontrollstreifenmuster´´)
waren mit der Flugnummer versehen, die anderen Kürzel dienten nur
zur Hilfe. Ich konnte anhand der Flugnummern auf meinem Bildschirm sehen,
auf welche Parkposition das jeweilige Flugzeug steht bzw. stehen wird.
Im Wesentlichen gab es zwei verschiedene Streifen. Auf dem einen wurden
die ankommenden Flüge (Inbound) und auf dem anderen die Abflüge
(Outbound) angezeigt. Man mußte den Flugplan lesen können und
halt wissen, wie man die Parkpositionen richtig auf die Kontrollstreifen
einträgt. Ich mußte meine Arbeit völlig selbständig
erledigen. Ich hatte eine hohe Verantwortung zu tragen, da der Vorfeldlotse
anhand der Kontrollstreifen die Flugzeuge auf die von mir gegebene Parkposition
führte. Die Arbeit verlief also Hand in Hand zwischen dem Vorfeldlotsen
und mir. Ich mußte, wie auch in der Auskunftszentrale, von 8 bis
14 Uhr arbeiten. Die Arbeit in der Vorfeldbrücke war sehr angenehm
und hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Ausbildung:
Man muß mindestens einen Realschulabschluß
haben, um in der Vorfeldbrücke arbeiten zu können, wobei auch
hier das Abitur bevorzugt wird. Außerdem muß man über
gute Englischkenntnisse verfügen. Die Ausbildungsgänge bestehen
aus Flugzeugkunde, Luftrecht, dem Sprechfunkzeugnis und dem Englisch der
Luftfahrt. Die Ausbildungsdauer beträgt 2 Jahre.
Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten:
Es gibt die Möglichkeit sich zum Verkehrsleiter
vom Dienst (V.V.D.) weiterbilden zu lassen. Es gibt aber keine Zusatzausbildung.
Die Entwicklung ist sehr positiv, da immer mehr Flughäfen Apron (die
moderne Art der Vorfeldkontrolle, wie auf dem Flughafen Hamburg) einführen.
Der Dienst findet in Schichtarbeit statt, es ist aber auch Teilzeitarbeit
möglich. Durch EDV ist eine erhebliche Erleichterung vorhanden. Stellenabbau
findet zur Zeit nicht statt.