PRAKTIKUMSBERICHT FLUGHAFEN HAMBURG 1998
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Vorwort

Ich bin ja nun schon seit einiger Zeit an der Zivilflugfahrt interessiert und da kommt schon der Wunsch auf, einmal einen Flughafen hinter den Kulissen zu erleben. Ich habe ihn ja schon oft so erlebt, wie ihn jeder erleben kann. Man kommt an, geht in  einen der Terminals und danach begibt man sich halt meist auf die Aussichtsterasse um ein paar Fotos für seine Sammlung zu schießen. Danach fährt man wieder nach Hause, doch man weiß nie, was alles dahintersteckt, um so einen Flughafen zu leiten. So habe ich mich vor gut einem Jahr dazu entschlossen, endlich mal die geheimen Ecken des Flughafens kennenzulernen, die man als normaler Passagier oder Schaulustiger nicht kennenlernen kann. Ich steckte also voller Erwartung, in eine interessante Abteilung zu kommen. Ich wußte ja nicht, was mich dort nun konkret erwartet. Doch ich hatte das große Glück, in der Auskunftszentrale und in der Vorfeldbrücke zu landen. Es warteten drei großartige Wochen auf mich, die sehr viel Spaß gemacht haben. Ich war zwischen netten Leuten gelandet und war nicht der einzige Praktikant in der Abteilung. Wir waren zwei Praktikanten und wir haben uns gut verstanden. Die Leute, ich nenne sie einfach meine Kollegen, haben uns sehr nett empfangen und wir haben uns willkommen gefühlt. Ich muß ganz ehrlich sagen, ich habe schon manchmal vergessen nur ein Praktikant zu sein. Nach nur zwei Tagen hat man uns selbständig Telefonauskünfte machen lassen. Wir durften Ausrufe machen und in der Vorfeldbrücke konnten wir auch kräftig mithelfen. Diese drei Wochen waren zwar sehr anstrengend, doch sie haben jeden Tag aufs Neue Spaß gemacht.



Über den Flughafen Hamburg

Der Flughafen Hamburg wird als Flughafen Hamburg GmbH bezeichnet. Er ist ein Dienstleistungsunternehmen. Eine Zugehörigkeit zu einem Konzern besteht nicht, da er zum öffentlichen Dienst (Witschaftsbehörde) gehört. Die Zusammenarbeit mit ausländischen Firmen besteht insofern, daß der Flughafen Hamburg mit ausländischen Fluggesellschaften zusammenarbeitet. Es wurden im Jahr 1997 38 Millionen Mark Umsatz gemacht. Über sechstausend Menschen arbeiten heute schon alleine bei der Flughafen Hamburg GmbH. Im Jahr 1997 wurden 232 Neueinstellungen vorgenommen. Zukunftsplan ist der Ausbau des Flughafens, d.h. eine gewaltige Expansion ist in Planung und soll in zehn Jahren abgeschlossen sein. Der Flughafen Hamburg besteht aus zahlreichen Gewerkschaften, auch außerhalb der Flughafen Hamburg GmbH. Die Kernaufgaben des Betriebes sind, wie schon beschrieben, Dienst- und Serviceleistungen.



MEIN TAG IM ``FOLLOW ME´´

Es ist Donnerstag der 08.10.1998, ein verregneter, ungemütlicher Tag. Es ist mein vorletzter Tag meines Betriebspraktikums auf dem Flughafen Hamburg. Endlich hat es Herr Krüger, mein derzeitiger Chef, es geschafft die Vorfeldausweise für uns zu kriegen. Wir werden also nach unten in den Sicherheitsbereich geführt, wo schon ein sogenannter ``Follow Me´´-Wagen auf uns wartet. Wir werden nett von dem Fahrer begrüßt und eine der schönsten Autofahrten in meinem Leben beginnt. Es sind noch ungefähr eineinhalb Stunden bis zur Rush-hour, wir haben also noch ein bißchen Zeit, um die Start- und Landebahnen zu befahren.
Es ist schon ein phantastischer Blick am Anfang jener, fast viertausend Meter langen Bahnen zu stehen und man das Ende nur erahnen kann. Hier also beginnt für jedes Flugzeug der Flug in die große, weite Welt. Die Bahnbeleuchtung leuchtet heute ziemlich stark, da es heute einigermaßen neblig ist. Wir fragen den Tower nach der Erlaubnis die Bahn entlang zu fahren. Noch eine Minute und die Vierkilometerfahrt kann beginnen. Der Wagen beschleunigt und braust die Bahn hinauf. Man hat schon ein bißchen das Gefühl im Flugzeug zu sitzen, nur das Abheben fehlt. Während wir also fahren, hat man einen phantastischen Blick auf das noch verhältnismäßig lehre Vorfeld. Uns wird alles bis ins Detail erklärt und ich folge mit voller Interesse den Worten des Fachmannes hinter dem Steuer. Kaum von der Startbahn runter und auf dem Taxiway zurück zum Vorfeld, folgt der nächste Leckerbissen eines jeden Zivilflugfahrtfanatiker, wie mich. Wir machen uns nun auf den Weg zur Lufthansawerft, da auf dem Rollfeld immer noch nicht viel los ist. Ich frage, ob wir nicht mal zur Boeing 747-400 der Lufthansa fahren könnten, die sich bis zum Flügelansatz im Werfthangar befindet. Kaum angekommen, offenbart sich ein Bild des Trauers. Die doch noch recht moderne 747-400 sieht aus wie eine veraltete Maschine, die schon seit fünfunddreißig Jahren nicht mehr neu bemalt wurde. Der Glanz ist weg. Die Technik möge ja noch einwandfrei funktionieren und der Kabinenkomfort immer noch derselbe sein, wie vor gut acht Jahren, als sie gerade mal hundert Starts und Landungen hinter sich hatte, doch am Lack sah man dem Flugzeug deutlich die Strapazen der vergangenen Dienstjahre an. Doch in ungefähr vier Wochen wird sie sich wieder neu angestrichen und blitzblank auf den größten Airports der Welt präsentieren können. Wir fahren jetzt an den riesigen Werfthallen weiter, vorbei an einer uralten Boeing 707 der Lufthansa, die schon vor zwanzig Jahren ausgemustert wurde, doch noch immer die Herzen eines jeden Fans höher schlagen läßt. Sie ist zwar schon längst nicht mehr flugtauglich, doch sie dient als Ausstellungsstück, welches an die längst vergangenen Tage der Zivilluftfahrt erinnern soll. Sie kann mit Stolz von sich behaupten, einst ein Meilenstein des Flugzeugbaus gewesen zu sein. Von diesen Gedanken gefangen, fahren wir zurück zum Vorfeld, welches sich langsam füllt. Trotzdem haben wir noch ein bißchen Zeit, um uns in der kleinen Augsburg Airways Werfthalle umzuschauen, in der auch schon mal über Nacht ein Airbus A310 der Hapag Lloyd oder eine Boeing 757 der LTU durchgecheckt wird. Doch dann soll der Tag auf dem Vorfeld erst richtig beginnen. Langsam wird es sehr voll auf dem Vorfeld. Es kommt eine Maschine nach der anderen. Von der kleinen Dornier Do228 der Helgoland Airlines, bis zum großen Airbus A300-600 der Lufthansa sind fast alle Größenordnungen vertreten. Es ist echt der Wahnsinn zwischen den ganzen Flugzeugen zu fahren, alles so hautnah mitzuerleben, so nah, daß man die einzelnen Nieten an den verschiedenen Typen zählen kann. Ich beneide jeden, der das große Glück hat, heute vormittag fliegen zu können. Ich habe die ganze Zeit das Verlangen, aus dem Wagen rauszuspringen und in eines der schönen, zahlreichen Flugzeuge zu springen. Während wir also dort so längs fahren und vom Vorfeldlotsen Anweisungen über Funk kriegen, welches Flugzeug einzuwinken ist, unterhalte ich mich angeregt mit dem Fahrer über die Flugzeuge. Wir diskutieren und kommen doch immer auf einen Nenner, weil wir eine ziemlich gleiche Meinung über Flugzeuge haben.
Es ist schon ein tolles und manchmal auch angsterregendes Gefühl, wenn wir eine Maschine auf die Parkposition weisen und sie dann eingewunken wird. Die Maschine kommt immer näher und macht einen ziemlichen Lärm. Man sitzt im Auto und es kommt immer näher, es wird größer und größer, es will gar nicht mehr aufhören größer zu werden. Es ist immer wieder ein unbeschreibliches Gefühl dies zu erleben. Inzwischen sind schon alle Fingerbrückenpositionen besetzt und man denkt nun nicht mehr daran, daß Hamburg ein verhältnismäßig kleiner Flughafen ist. Mittlerweile stehen hier schon an die vierzig Flugzeuge und werden abgefertigt. Immer mehr Busse brausen zu den Flugzeugen, die auf dem Vorfeld stehen. Alle stehen unter hohem Druck alles in möglichst kurzer Zeit startklar zu machen. Im Moment kommt jede zweite Minute ein Flugzeug und alle vier Minuten startet eins. Wir eilen jetzt von einem Flugzeug zum nächsten, um sie einzuweisen. Es ist nicht immer um diese Jahreszeit so viel los, auch nicht wie in der jetzigen Rush-hour. Leider endet jetzt auch schon unsere Fahrt, aber doch zu einem günstigen Zeitpunkt, da schon die meisten Flugzeuge eingeflogen sind und viele in der nächsten Stunde sich wieder auf den Weg zu ihrem Zielflughafen machen werden. Doch eines ist sicher, es ist echt ein unbeschreiblich schönes Erlebnis gewesen, alles mal so hautnah zu erleben und ich werde es nie vergessen.



Auskunftzentrale

Ein typischer Arbeitstag:
In der Auskunftzentrale war ich die meiste Zeit meines Praktikums beschäftigt. Meistens mußte ich Telefonauskünfte geben, da dies die interessanteste Tätigkeit in der Auskunftzentrale war. Nach einer kleinen Einführung konnte ich die Telefonate alleine tätigen. Eine kleine Auflockerung stellten die Ausrufe und die Bording-on/Bording-off Bearbeitungen dar. Ich hatte in der Auskunftzentrale viel Spaß, denn es ging immer sehr locker und lustig zu. Immer, wenn ich morgens anfing, ging ich mit sehr viel Freude an die Arbeit, auch wenn die Tage alle miteinander gleich abliefen. Man hat schon sehr viele lustige Gespräche erleben können, wenn man die Telefonauskünfte gab (siehe Punkt 5). Aufregend waren auch die Bombenalarme, die fast jeden zweiten Tag stattfanden. Sie wurden meistens durch einen verlassenen Koffer ausgelöst. Dann war in der gesamten Abteilung Aufregung pur. Ich stand immer dazwischen und wußte nicht, was ich tun sollte. Doch es ist zum Glück nie etwas ernstes passiert. Meistens verliefen die Arbeitstage sehr ruhig ab und ich fühlte mich dort echt sehr wohl.

Tätigkeiten während meines Praktikums im Überblick:
Meine Tätigkeitsbereiche waren Telefonauskünfte und Ausrufe zu tätigen. Manchmal habe ich auch Bording-on/Bording-off bearbeitet. Telefonauskünfte zu geben war meine Hauptbeschäftigung. Ich mußte Auskünfte über Flugverspätungen und über Ankunft- und Abflugzeiten geben. Hatten die Anrufer speziellere Fragen, mußte ich sie zu den jeweiligen Betrieben durchstellen. Vom Ausrufplatz aus werden verspätete Fluggäste aufgefordert sich umgehend zum Gate zu begeben, oder es werden Flugverspätungen bekanntgegeben. Die Informationen bekamen wir auf einem Bildschirm angezeigt oder wir wurden per Telefon benachrichtigt. Für mich waren die Bording-on- und Bording-off- Informationen zu bearbeiten die langweiligste Tätigkeit während meines Praktikums. Es wurde auf einem Bildschirm am Ausrufplatz angezeigt, ob ein Flugzeug bereit ist, Passagiere aufzunehmen (Bording-on), und wenn eine Maschine startklar ist (Bording-off). Ich mußte diese Informationen in einen Computer eingeben. Wenn ich zum Beispiel Bording-on eingegeben habe, leuchtet eine Lampe neben dem bestimmten Flug auf den großen Anzeigetafeln im Terminal 1, 3 und 4 und auf allen Flugplänen auf dem Flughafen auf. Die Passagiere wissen dann, daß ihre Maschine bereit zum Einsteigen ist. Habe ich  Bording-off eingegeben, wird auf allen Bildschirmen und auf den Anzeigetafeln angezeigt, daß der Flug bereits vollständig abgefertigt ist, d.h. es können jetzt keine Passagiere mehr aufgenommen werden, da das Flugzeug zu diesem Zeitpunkt meistens schon auf dem Weg zu seiner Startbahn ist. Während meiner Tätigkeiten hatte ich eine hohe Verantwortung zu tragen. Ich wollte und sollte mir nicht unbedingt Fehler einhandeln. Gruppenarbeit war bei meiner Tätigkeit nicht möglich. Meine Arbeitszeit war von 8 bis 14 Uhr, mit einer einstündigen Mittagspause. Physische und psychische Anforderungen bestanden nicht, da meine Tätigkeiten sehr angenehm und leicht waren. Man muß Computer unbedingt bedienen können, da auch in der Auskunftzentrale alles computerisiert ist.

Ausbildung:
Ausbildungsvoraussetzung ist mindestens ein Hauptschulabschluß, aber der Realschulabschluß wird auch hier bevorzugt. Es ist kein Lehrberuf, daher gibt es auch keine Ausbildung. Es gibt lediglich eine dreimonatige Einführung. Man muß außerdem über Englischkenntnisse verfügen.
 

Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten:
Es gibt keine innerbetriebliche oder ausserbetriebliche Weiterbildungswege, ebenso keine Zusatzausbildung. Die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit ist möglich. Es gibt allerdings keine Flexibilität in der Arbeitszeit, da man im Schichtdienst tätig ist.



Vorfeldbrücke

Ein typischer Arbeitstag:
Meistens ging ich in die Vorfeldbrücke, wenn ich in der Auskunftzentrale nichts zu tun hatte oder wenn in der Vorfeldbrücke gerade eine Arbeitskraft benötigt wurde. Ich war nur an zwei Tagen den ganzen Arbeitstag dort beschäftigt. Meine Tätigkeit war es, die Kontrollstreifen mit den jeweiligen Parkpositionen der Flugzeuge zu versehen (nähere Beschreibung der Tätigkeit im nächsten Punkt). Es gab natürlich Stunden, in denen kam ein Streifen nach dem Anderen rein. Dann durfte man auch keine Sekunde verlieren, um seine Arbeit zu erledigen. Man durfte sich auch keine Fehler erlauben, da die Richtigkeit meiner Arbeit für den Vorfeldlotsen sehr wichtig war. Ich mußte und wollte meine Arbeit selbständig erledigen. Wenn aber mal Ruhe war, genoß ich den wunderschönen Blick über den ganzen Flughafen oder ich unterhielt mich mit meinen Kollegen. Oft fachsimpelten wir über Flugzeuge oder unterhielten uns über belanglose Sachen. Alle waren sehr nett zu mir.

Tätigkeiten während meines Praktikums im Überblick:
Meine Tätigkeit in der Vorfeldbrücke war leider nicht so sehr aufregend, wie die in der Auskunftszentrale. Mein Arbeitstag gestaltete sich mit dem Eintragen der Parkpositionen der Flugzeuge auf den Kontrollstreifen. Die Kontrollstreifen (siehe Zettel ``Kontrollstreifenmuster´´) waren mit der Flugnummer versehen, die anderen Kürzel dienten nur zur Hilfe. Ich konnte anhand der Flugnummern auf meinem Bildschirm sehen, auf welche Parkposition das jeweilige Flugzeug steht bzw. stehen wird. Im Wesentlichen gab es zwei verschiedene Streifen. Auf dem einen wurden die ankommenden Flüge (Inbound) und auf dem anderen die Abflüge (Outbound) angezeigt. Man mußte den Flugplan lesen können und halt wissen, wie man die Parkpositionen richtig auf die Kontrollstreifen einträgt. Ich mußte meine Arbeit völlig selbständig erledigen. Ich hatte eine hohe Verantwortung zu tragen, da der Vorfeldlotse anhand der Kontrollstreifen die Flugzeuge auf die von mir gegebene Parkposition führte. Die Arbeit verlief also Hand in Hand zwischen dem Vorfeldlotsen und mir. Ich mußte, wie auch in der Auskunftszentrale, von 8 bis 14 Uhr arbeiten. Die Arbeit in der Vorfeldbrücke war sehr angenehm und hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Ausbildung:
Man muß mindestens einen Realschulabschluß haben, um in der Vorfeldbrücke arbeiten zu können, wobei auch hier das Abitur bevorzugt wird. Außerdem muß man über gute Englischkenntnisse verfügen. Die Ausbildungsgänge bestehen aus Flugzeugkunde, Luftrecht, dem Sprechfunkzeugnis und dem Englisch der Luftfahrt. Die Ausbildungsdauer beträgt 2 Jahre.

Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten:
Es gibt die Möglichkeit sich zum Verkehrsleiter vom Dienst (V.V.D.) weiterbilden zu lassen. Es gibt aber keine Zusatzausbildung. Die Entwicklung ist sehr positiv, da immer mehr Flughäfen Apron (die moderne Art der Vorfeldkontrolle, wie auf dem Flughafen Hamburg) einführen. Der Dienst findet in Schichtarbeit statt, es ist aber auch Teilzeitarbeit möglich. Durch EDV ist eine erhebliche Erleichterung vorhanden. Stellenabbau findet zur Zeit nicht statt.